Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt / Aktuelles / News
^ Top ^
13.03.2018

Wie können multimorbide Patienten behandelt werden?

 

Dr. Nicole Primas, Melanie KahlNoch vor wenigen Jahrzehnten hatten schwerst pflegebedürftige und multimorbide Patienten in der Regel eine Totalprothese. Heutzutage werden viele Menschen – auch dank der Erfolge der präventiven Zahnmedizin – mit weitestgehend intaktem Gebiss oder festsitzender prothetischer Versorgung oder Implantaten zum Pflegefall – aber wie können diese Menschen adequat zahnmedizinisch behandelt werden? Das war eins der Themen im Arbeitskreis Zahngesundheit, der Mitte Februar in den Räumen der ZÄK Sachsen-Anhalt tagte.

 

Dr. Nicole Primas, zuständig für Prävention im Vorstand der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, stellte das aktuelle Fallbeispiel eines multimorbiden Patienten aus Magdeburg vor, dem dringend unter Narkose mehrere Zähne gezogen werden müssten – ein Eingriff, zu riskant, um ihn in der Praxis durchzuführen. In der hiesigen Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg würde der Mann zwar einen Termin bekommen – aber erst im August 2018. „Da kann ich nicht mitgehen“, erklärte Dr. Primas.

Der Behandlungsbedarf für multimorbide Patienten oder Menschen mit geistigen und Mehrfachbehinderungen in stationärem Umfeld unter Narkose sei da, bestätigte apl. Prof. Dr. Dr. Alexander Eckert, kommissarischer Direktor der Universitäts- und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Halle (Saale). Er war gemeinsam mit dem Oralchirurgen Dr. Felix Schneider nach Magdeburg gekommen, um Möglichkeiten der Behandlung dieser Patienten zu besprechen. Die beiden erklärten sich bereit, ein Konzept zur Behandlung multimorbider Patienten an der Zahnklinik in Halle zu verfassen. Um den dadurch entstehenden gestiegenen personellen Aufwand zu finanzieren, seien aber externe Drittmittel nötig, so Prof. Eckert. Dennoch: „Das wäre ein landesweit einzigartiges Projekt“, erklärte er. Es spare am Ende Kosten, wenn multimorbide Patienten schnell und effizient behandelt werden, stimmte ihm Dr. Primas zu. Niedergelassene Zahnärzte könnten das auf jeden Fall nicht leisten. „Die Problematik überrollt uns“, stellte die Zahnärztin mit Blick auf den demografischen Wandel fest. 

 

 

Termine