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11.01.2018

Neujahrsempfang: Heilberufliche Versorgung sichern

 

Neujahrsempfang 2018Die Heilberufler in Sachsen-Anhalt sichern mit großem Einsatz die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung im Land. Wachsende Bürokratie, steigender Kostendruck, immer neue technische Anforderungen und die Verschleppung dringend notwendiger Reformen von politischer Seite machen die Arbeit für Apotheker, Ärzte, Psychotherapeuten, Tierärzte und Zahnärzte immer schwieriger. Gleichzeitig steigt durch den demografischen Wandel die Behandlungsbedürftigkeit der Sachsen-Anhalter und damit die Arbeitsbelastung für die Heilberufler, von denen viele selbst in naher Zukunft in den Ruhestand gehen, ohne dass es ausreichend Nachwuchs gibt. Beim traditionellen Neujahrsempfang der Heilberufler am 10. Januar 2018 in Magdeburg, der in diesem Jahr von ZÄK und KZV organisiert wurde, forderten die Heilberufler sowohl eine Absage an eine Bürgerversicherung im Rahmen der laufenden Koalitionsgespräche als dringend nötige Reformen ein.  

 


Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt forderte die Politik auf, die Finger von der Bürgerversicherung zu lassen und stattdessen mit der überfälligen Umsetzung der neuen Approbationsordnung, Bürokratieabbau und Investitionen in die Infrastruktur die Prävention zu verbessern. Dr. Jochen Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, warnte vor einem Nachwuchsmangel bei zahnärztlichen Kollegen auf dem Lande und vor Belastungen für Praxen und Patienten, die aus der vom Gesetzgeber forcierten Einführung einer digitalen Kommunikationsinfrastruktur im deutschen Gesundheitswesen bis Jahresende resultiert, der sogenannten Telematikinfrastruktur (TI). Weil die Industrie erst seit wenigen Wochen überhaupt für die TI-Umsetzung notwendige zertifizierte Geräte und Dienste anbietet, aber tausende Praxen auszustatten sind, könnten auf Patienten 2018 längere Warte- oder sogar Schließzeiten zukommen.


Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt macht deutlich, dass der demografische Wandel im Land zukünftig eine steigende Nachfrage nach Haus- und Fachärzten gleichermaßen verursachen wird. Diesem allein durch Pflichtabschnitte und verpflichtende Quoten bereits im Medizinstudium zu begegnen, hält die Ärztekammer für völlig unzureichend. Vielmehr müssen im Land alle Kräfte und Ideen gebündelt werden, um die Anziehungskraft Sachsen-Anhalts in allen Lebensbereichen zu stärken.

Zur Frage der Gewinnung ärztlichen Nachwuchses sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) Dr. med. Burkhard John: „Unser Land sollte die Möglichkeiten des Masterplans 2020 schnellstmöglich umsetzen, damit wir nicht gegenüber anderen Bundesländern bei der Nachbesetzung von Landarztpraxen verlieren.“ Mit dem Masterplan 2020 der Bundesregierung können die Länder unter anderem Erleichterungen bei der Zulassung zum Medizinstudium schaffen, gegen die Zusage, in Landarztpraxen tätig zu werden. Für die Verbesserung der ambulanten ärztlichen Versorgung ist durch eine zukünftige
Regierungskoalition auch eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig. Derzeit ist der Einfluss der Morbidität der zu versorgenden Bevölkerung auf die Mittelbereitstellung lediglich auf die Betrachtung der Veränderung der Morbidität zum Vorjahr begrenzt. Dies reicht aber nicht zur Versorgung der schon ursprünglich hohen Morbidität in Sachsen-Anhalt aus, sagt Dr. John. Eine einmalige Anpassung der Mittel an die tatsächlich vorhandene Morbidität ist notwendig, andernfalls setzen wir bei allen Veränderungen immer noch auf einem falsch niedrigen Wert auf.


Die Arzneimittelversorgung unterliegt bundesgesetzlichen Regelungen. Doch erwarten die Apotheker von der Landespolitik Unterstützung, wenn es um die Sicherung und Zukunftsfähigkeit dieses bewährten Systems der wohnortnahen Arzneimittelversorgung durch öffentliche Apotheken und die persönliche Beratung durch den Apotheker geht. Dafür sind eine solide wirtschaftliche Basis und Planungssicherheit unabdingbar. 

 

Auch Dr. Klaus Kutschmann, Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt, warnte vor einer Überalterung des Berufsstandes und kritisierte das große Anspruchsdenken in der Bevölkerung, was eine tierärztliche Versorgung angeht.

 

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